Zurück zur Seinsfrage
Über den Humanismus der Virtualität
Altrichter, Rudolf
2003, 106 S, Kt, (Fink)
Bestell-Nr. 143112

19,90 EUR

Der Tatsache, daß die sogenannte Virtual Reality schon längst die >harten< Bereiche unserer natürlichen und sozialen Welt durchdringt, kann sich auch die Ontologie, die neuerdings in der angelsächsischen Philosophie ein erstaunliches Comeback feiert, nicht verschließen. Sie betrifft sogar das philosophische Denken selbst, wie Rudolf Altrichter in seinem großen Essay zeigt, der Heideggers Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit des Wirklichen sowohl verständlich zu machen als auch argumentativ zu durchdringen versteht, indem er die begriffliche Tradition, der sie geschuldet ist, für den heutigen Leser >rebuchstabiert< und ideengeschichtlich problematisiert.Ausgangspunkt des Essays ist das Denken der Aufklärung. Im aufklärerischen Lob der Natur findet das humanistische Denken seine Fortsetzung und Zuspitzung: das Sein verblaßt hinter dem Glanz seiner Potentialität. In Kants "Erhabenem" erfährt dieser Diskurs nach Altrichter sogar eine implizite theologische Begründung. Aber erst mit Heidegger, so die zentrale Aussage der Untersuchung, wird das aufklärerische Möglichkeitsdenken radikal zu Ende gedacht. Heideggers Philosophie liefert nicht nur eine Definition des Phänomens "Virtualität", sie ist es auch, welche die humanistische Relativierung der Kreatürlichkeit des Menschen im Zeichen der Selbstbestimmung als praxisphilosophisches Problem erkannt und zu rechtfertigen versucht hat.Vor diesem Hintergrund erscheint im Schlußkapitel des Buches der faschistische Diskurs der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts als absehbare Konsequenz der Neuzeit oder des Wunsches nach einer besseren, schöneren, perfekteren Welt. Die bestehende Wirklichkeit ist der Preis, den man dafür zu zahlen bereit ist: Das Nichts wird beschworen statt als rationales Korrektiv des Seins aufgefaßt. An diesem Punkt schließt sich Altrichters Argumentation: Der dem Text als Motto vorangestellte Satz Baudrillards, daß wir traurig wieder aufbauen, was freudig dekonstruiert wurde, gibt sich als Möglichkeit zu verstehen, die fast schon in Vergessenheit geratene "Dialektik der Aufklärung" einer längst fälligen Revision zu unterziehen
 

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